Steueroase Europa: So funktioniert der Non-Dom-Status in drei europäischen Ländern
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Steueroase Europa: So funktioniert der Non-Dom-Status in drei europäischen Ländern

Steueroase Europa: So funktioniert der Non-Dom-Status in drei europäischen Ländern
16 Dez 2025

Der Non-Dom-Status wird manchmal gerne als obskurer Steuertrick für Superreiche dargestellt. Dabei ist das System bereits mehrere hundert Jahre alt und hat klare Regeln. Das Grundprinzip: In einem Land leben, aber seine wahre Heimat woanders haben und so nur auf lokales Einkommen und auf Gelder, die ins Land fließen, Steuern zahlen. Auslandseinkommen sind ausgenommen.

Für den Non-Dom-Status sind speziell drei europäische Länder von Relevanz: Großbritannien, Irland und Malta. Für Unternehmer, die international verdienen und hierbei strategisch planen möchten, eröffnen sich durch dieses System attraktive Möglichkeiten. Es gibt jedoch auch Fallstricke und zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen den genannten Ländern, die die nachfolgenden Abschnitte genauer beleuchten werden.

Was bedeutet "Non-Dom" überhaupt?

Non-Dom ist die Kurzform für "Non-Domiciled". Es handelt sich hierbei um eine besondere steuerliche Situation. So fallen Sie etwa unter “Non Dom”, wenn Sie in einem Land leben und arbeiten und dort als steuerlicher Resident gelten, jedoch Ihre steuerliche Heimat woanders haben. Das hört sich auf den ersten Blick etwas kompliziert an, ist es in Wirklichkeit aber gar nicht. In einfachen Worten ist beim Non-Dom-Status der steuerliche Wohnsitz und das Domizil nicht dasselbe.

Wovon hängt der steuerliche Wohnsitz ab? Der Hauptfaktor ist, wo Sie die meiste Zeit verbringen. Beim Domizil geht es jedoch um die dauerhafte Heimat. Das ist meistens das Geburtsland oder das Land der Eltern. Während ein normaler Ansässiger Steuern auf das weltweite Einkommen zahlt, zahlen Non-Doms nur auf das Geld, das sie tatsächlich ins Land transferieren oder dort verdienen.

Großbritannien: Das klassische Non-Dom-System (und seine Reform)

Bis vor kurzem (2025) war Großbritannien noch das Mutterland des Non-Dom-Systems. Diese Tradition reichte 200 Jahre zurück. Doch im April 2025 fand dieses traditionelle Regime sein Ende. An seine Stelle trat ein residenzbasiertes System. Mit der alten Regelung musste man als Non-Dom nur transferierte Auslandseinkünfte versteuern und das bis zu 15 Jahre lang.

Das neue System ist in einem Punkt attraktiver, bietet in einem anderen aber deutlich weniger Vorteile. Die gute Nachricht zuerst: Neuankömmlinge müssen in den ersten vier Jahren keinerlei Steuern auf ausländische Einkünfte und Gewinne (inklusive Transfers in die UK) zahlen. Wenn Sie sich erinnern: Letzteres wurde in der alten Regelung besteuert. Sie dürfen mit der neuen Regelung aber zuvor (die letzten 10 Jahre) nicht in der UK ansässig gewesen sein. Doch die schlechte Nachricht ist, dass Sie dieses System nun nur noch vier Jahre lang nutzen können. 

Malta: Das attraktivste Non-Dom-Regime Europas

Malta’s Non-Dom Tradition reicht nicht ganz so weit zurück wie das der UK. Doch es hat immerhin sein ursprüngliches System seit den 1940er Jahren beibehalten. Auch sind keine Änderungen in Sicht. Sein Kernprinzip?  Besteuert werden nur Einkommen aus Malta und die ins Land transferierten Auslandseinkünfte. Bei Letzteren gibt es sogar eine Ausnahmeregelung. So sind ausländische Kapitalgewinntransfers steuerfrei.

Es gibt auch noch eine weitere Steuererleichterung. Sie zahlen nur eine Mindeststeuer von 5.000 Euro jährlich, wenn die transferierten Auslandseinkommen 35.000 Euro übersteigen. Auch gibt es keine zeitliche Begrenzung für den Non-Dom-Status, Deemed-Domicile-Regeln wie im Vereinigten Königreich und keine automatische Umstellung nach 15 Jahren. Man qualifiziert sich, wenn man auf Malta über 183 Tage pro Jahr verbringt oder seinen Lebensmittelpunkt dorthin verlegt.

Weitere Vorteile des mediterranen EU-Lands:

-        Niedrige Steuern und politischer Stabilität

-        Schengen-Zugang

-        Über 70 Doppelbesteuerungsabkommen 

Irland: Der komplexere Non-Dom-Ansatz

Beim Non-Dom Konzept in Irland hat man ein bisschen den Eindruck, als hätte sich jemand mit schlechter Laune irgendwann einmal die Frage gestellt hat, wie man das alte britische Non-Dom Konzept verwenden und einfach noch ein bisschen komplexer gestalten könnte.

Die Remittance-Basis ist die Gleiche wie in der UK. Sämtliche Auslandseinkommen werden nur besteuert, wenn sie nach Irland transferiert werden. Der Teufel liegt aber im Detail. So hängt der Non-Dom-Status nicht von der Aufenthaltsdauer ab, sondern von der nachweisbaren Rückkehrabsicht ins Heimatland. Genau, Sie fragen sich jetzt sicher auch: Wie weist man so etwas nun nach? Und da haben Sie auch bereits den Kern des Problems gefunden. Das bedeutet nämlich jahrelange Dokumentation und Beweisführung.

Es gibt aber auch noch ein paar Benefits. So gibt es im Unterschied zur UK keine Deemed-Domicile-Regeln und keine zeitliche Begrenzung. Das System ist damit also theoretisch unbegrenzt nutzbar. Zudem fallen jährlich keine Gebühren für die Nutzung der Remittance-Basis an.

Die Anti-Avoidance-Regeln sind jedoch komplex. Bereits die Nutzung ausländischer Kreditkarten in Irland kann als Remittance gelten. Auch verlieren Investitionen in irische Offshore-Fonds komplett den Vorteil. Und Einkünfte aus irischen Quellen (wie lokale Fonds) sind in Irland immer steuerpflichtig. Das ist unabhängig vom Non-Dom-Status. Aus den oben genannten Gründen ist für Normalverdiener das System zu kompliziert. Doch für gut beratene Vermögende mit echter Rückkehrabsicht ist es einen Blick wert.

Zypern: Das flexible Non-Dom-Modell mit SDC-Befreiung

In Zypern sieht der Ansatz wiederum deutlich anders aus als in Malta oder Irland. So befreit das Non-Dom-System nicht von der Einkommenssteuer, sondern von der so genannten Special Defence Contribution (SDC). Hierzu gehören Dividenden, Zinsen und bestimmte passive Einkünfte für bis zu 17 Jahre.

Des Weiteren gibt es keine Remittance-Basis. Daher werden die Residents auf weltweites Einkommen besteuert. Jedoch beseitigt die SDC-Befreiung die übliche Belastung von 17 Prozent auf Dividenden und 30 Prozent auf Zinsen.

Wie kann man die Residenz erreichen? Das funktioniert auf zwei Wegen. Es gibt die klassische 183-Tage-Regel oder die flexible 60-Tage-Regel. Bei Letzterer ist zusätzlich ein permanenter Wohnsitz in Zypern, keine Steuerresidenz anderswo, und wirtschaftliche Bindungen wie Arbeit oder Geschäftstätigkeit im Land Voraussetzung. Kapitalgewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren sind in Zypern generell steuerfrei, außer bei zyprischen Immobilien.

Nach 17 Jahren endet als Steuerresident der Non-Dom-Status automatisch, und wer ursprünglich in Zypern geboren wurde, kann den Status nur nutzen, wenn ein Wahlwohnsitz anderswo etabliert wurde oder 20 Jahre keine zyprische Steuerresidenz bestand. Entscheidet man sich für Zypern kann man die EU-Mitgliedschaft mit mediterranem Klima kombinieren und einen der niedrigsten Körperschaftsteuersätze Europas von 12,5 Prozent plus IP-Box-Regime mit effektiv 2,5 Prozent für qualifiziertes geistiges Eigentum nutzen.

Praktische Voraussetzungen: Wer kann Non-Dom werden?

Für den Non-Dom-Status sind zwei separate Qualifikationen notwendig. Sie benötigen zum einen die steuerliche Residenz im jeweiligen Land und zum anderen den Nachweis eines ausländischen Domizils. Für die Residenz qualifizieren Sie sich mit mindestens 183 Tagen Aufenthalt pro Jahr oder durch eine nachweisbare Absicht, dort zu leben. Hierbei akzeptiert Malta beide Wege.

Beim Domizil wird es schon komplexer. Hierbei handelt es sich um die rechtliche Heimat. Das ist üblicherweise das Geburtsland oder das Land der Eltern. Malta verlangt hierbei beispielsweise keine Vorgeschichte. So kann jemand auch den Status nutzen, wenn er früher bereits maltesischer Resident war.

Wie oben erwähnt, schließt Großbritannien nach den neuen Regeln hingegen Menschen aus, die in den letzten zehn Jahren UK-Resident waren. Irland prüft hingegen die Rückkehrabsicht besonders streng.

EU-Bürger sind allgemein im Vorteil, da sie überall frei einreisen können. Als Nicht-EU-Bürger kommt ein weiteres Komplexitätslevel oben drauf. Sie benötigen spezielle Residenzprogramme oder Visa. 

Die 60-Tage-Regel macht Zypern zu einer besonders flexiblen Option. Wie zuvor bereits erwähnt, sind nur 60 Tage Aufenthalt nötig, wenn man einen permanenten Wohnsitz in Zypern hat, nirgendwo anders über 183 Tage verbringt, keine andere Steuerresidenz besitzt und wirtschaftliche Bindungen nachweist. Dadurch bietet sich Zypern besonders für digitale Nomaden und Remote Professionals an, die Flexibilität brauchen.

Finanzielle Vor- und Nachteile im Vergleich

Die finanziellen Unterschiede im steuerlichen Kontext könnten zwischen den drei Ländern größer nicht sein. So verlangt Malta nur 5.000 Euro jährlich als Mindeststeuer, sollte das Auslandseinkommen 35.000 Euro übersteigen. Liegt der Betrag darunter, zahlt man gar nichts extra.

Noch vor der Abschaffung des Systems in der UK verlangte das Land früher bis zu 60.000 Pfund pro Jahr als Remittance-Basis-Gebühr nach längerer Aufenthaltsdauer. Diese Gebühren sind nun aber nach der Abschaffung passé.

Zwar verlangt Irland keine jährlichen Pauschalgebühren für die Remittance-Basis, allerdings gibt es versteckte Kosten. So kosten spezialisierte Steuerberater jährlich oft 10.000 bis 30.000 Euro. Zudem frisst die Compliance-Dokumentation für Banken und Behörden Zeit und Geld.

Abgesehen von den steuerlichen Kosten spricht für Malta im finanziellen Bereich noch etwas anderes. Denn hier spart man auch bei den Lebenshaltungskosten im Vergleich zu London oder Dublin.

Im finanziellen Kontext bietet Zypern den Vorteil, dass es jährlich keine Pauschalgebühr für den Non-Dom-Status verlangt. Jedoch  sind 2,65 Prozent Beiträge zum General Healthcare System (GeSY) auf passive Einkünfte zu entrichten. Das ist bei einem Jahreseinkommen von 180.000 Euro gedeckelt.

Im Vergleich zu Malte liegen die Lebenshaltungskosten in Zypern etwa 3-5 Prozent höher. Das ist aber immer noch günstiger als in London oder Dublin. Mieten in Paphos fallen deutlich niedriger aus als vergleichbare Wohnungen in Malta. Jedoch sind Mieten in Limassol vergleichbar hoch wie in Malta. Grundsätzlich liegt  der Vorteil bei Zypern in der Kombination aus niedrigen Kosten und einer flexiblen Residenzregelung.


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FAQs

Für wen lohnt sich welches Land?

Malta: Wenn der Zeithorizont etwas langfristiger ausgelegt ist, sollte dieses Land die erste Wahl sein. Denn es existiert keine zeitliche Begrenzung. Die insgesamt niedrigen Kosten eignen sich ideal für Vermögende mit einem internationalen Portfolio, die einen EU-Zugang behalten möchten. Sprachhürden sind auch weniger ein Thema, da in Malta Englisch gesprochen wird.

Großbritannien: In diesem Land ist die Zeit begrenzt, in denen man die Vorteile des Non-Dom-Statuses nutzen kann.  So stehen Neuankömmlingen vier steuerfreie Jahre für Auslandseinkommen zur Verfügung. Das kann für befristete Projekte oder Karriereschritte interessant sein.

Irland: Bei diesem Standort ist die Lage eher komplex und passt zu spezifischen Situationen. Das Land wird oft von Tech-Professionals mit US-Karriereplänen genutzt, die temporär in Dublin arbeiten, aber nachweisbar zurückkehren wollen.

Als normaler Angestellter sollte man keine der obigen Optionen ins Auge fassen. Das wäre wie mit Kanonen auf Spatzen schießen. Denn die Compliance-Kosten und der Aufwand übersteigen schnell die Vorteile.

Zypern: Dieses Land ist ideal für diejenigen, die maximale Flexibilität brauchen. Durch die 60-Tage-Regel kann man den größten Teil des Jahres anderswo verbringen. Durch die SDC-Befreiung ist es zudem attraktiv für Dividenden- und Zinseinnahmen, während Malta auch Kapitalgewinne bei Transfer besteuert.

Fokussiert man sich als Unternehmer auf IP-Geschäftsmodellen (SaaS, Lizenzen) ergeben sich durch das IP-Box-Regime weitere Vorteile. Die zyprische Staatsbürgerschaft ist nach 4-5 Jahren möglich.  

Welche rechtlichen Fallstricken und Compliance muss man bei der Entscheidungsfindung mit einbeziehen?

Besonders in Irland liegt das größte Risiko in der fehlerhaften Dokumentation. Denn hier liegt die Beweislast beim Non-Dom selbst. Besonders bei Krypto-Assets ist es schwierig nachzuweisen, wo diese steuerlich ansässig sind.

Der nächste Stolperstein ist die Definition von Remittance. So kann oft selbst die Nutzung ausländischer Kreditkarten im Inland als Transfer gelten und Steuerpflicht auslösen. Zudem haben Malta und Irland strenge Anti-Avoidance-Regeln eingeführt, die durch die Bekämpfung der aktiven Steuervermeidung durch Doppelbesteuerungs-Missbrauch motiviert sind. Ebenso kann eine falsche Steuerberichterstattung zu empfindlichen Strafen führen.

Besonders in Irland ist ein Fallstrick die ausführliche Compliance-Dokumentation für Banken. Hierbei muss die Strukturierung perfekt sein. Zu einer Nachzahlungsforderung auch noch nach Jahren kann es bereits schnell bei einem einzigen Fehler bei der Unterscheidung zwischen lokalem und ausländischen Einkommen kommen.

Das größte Risiko beim Non-Dom Status in Zypern liegt in der korrekten Erfüllung der 60-Tage-Regel. Denn wirtschaftliche Bindungen müssen substanziell sein. Daher reichen Nominaldirektorate oder Papieranstellungen nicht aus. Falls die Beschäftigung oder Geschäftstätigkeit während des Jahres endet, ist der Steuerresidentenstatus für dieses gesamte Jahr in Gefahr.

Ist man ursprünglich in Zypern geboren, muss man besonders aufpassen. Für einen Non-Dom-Status ohne nachweisbaren Wahlwohnsitz anderswo oder ohne 20-jährige Abwesenheit sieht es in einem solchen Fall schwierig aus.

Wie ist es um die Zukunft des Non-Dom Statuses bestellt?

Der allgemeine Trend geht hin zu mehr politischem Druck auf Non-Dom-Systeme. Er ist von fiskalischen Zwängen und einer Anti-Umgehungs-Stimmung getrieben. So kann man Großbritanniens Abschaffung seines traditionellen Systems als Signal werten.

Eine Folge dieses Trends ist die Abwanderung von Mllionären aus England. So verließen etwa im Jahr 2024 über 10.000 Millionäre das Vereinigte Königreich. Das ist ein Anstieg von 157 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Des Weiteren diskutiert Frankreich über  eine "universelle Steuer" für Staatsbürger im Ausland. Das gilt besonders für jene in Niedrigsteuerländern. Der globale Trend bewegt sich somit eindeutig Richtung weltweiter Besteuerung nach Wohnsitz oder Staatsbürgerschaft.

Doch bei all diesen Entwicklungen ist Malta bisher standhaft geblieben und hat seine Verpflichtung zum Non-Dom-System bekräftigt. Doch auch hier kann man dezente Zeichen erkennen, wenn auch nicht direkt von Malta. So hat die EU Maltas Golden-Passport-Programm wegen Korruptionsbedenken beendet. Das zeigt, dass Brüssel genauer hinschaut.

Auch Zypern steht unter wachsendem Druck durch die OECD und die EU. So laufen aktuell  Diskussionen über eine Verschärfung der 60-Tage-Regel und die mögliche Einführung jährlicher Pauschalgebühren. Zwar positioniert sich Zypern nach der UK-Reform aktiv als Alternative für Vermögende, jedoch könnten sich auch hier strengere Substanzanforderungen durchsetzen. Konkret wurden aber noch keine konkreten gesetzlichen Änderungen verabschiedet (Stand Ende 2025).

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