Lange Zeit waren Kryptowährungen traditionellen Banken ein Dorn im Auge. Bitcoin und Co. hatten bei ihnen eher den Ruf, lediglich eine Spielerei für Technik-Nerds oder riskante Spekulationsobjekte zu sein.
Diese bisher vorherrschende Meinung hat sich aber drastisch verändert. Immer mehr große Finanzinstitute weltweit sehen digitale Währungen und Blockchain-Technologie als Faktoren an, die die Zukunft des Geldes mitbestimmen werden. Aus diesem Grund entwickeln Banken von New York über Frankfurt bis Paris eigene Lösungen, um im digitalen Finanzmarkt mitzuspielen.
Nachfolgend schauen wir uns fünf internationale Banken genauer an, die hierbei besonders hervorstechen. Sie tätigen Investitionen in Millionenhöhe, um Krypto-Infrastruktur und Handelsplattformen aufzubauen und eigene digitale Coins zu entwickeln.
Institutionelle Investoren und vermögende Privatkunden fragen mittlerweile immer öfter massiv Krypto-Dienstleistungen bei Banken nach. Da keine Bank diese lukrativen Geschäfte an spezialisierte Anbieter verlieren möchte, haben diese über die Zeit eigene Lösungen entwickelt.
Ein Vorteil ist hierbei für sie besonders überzeugend: Die Blockchain-Technologie macht grenzüberschreitende Zahlungen schneller und günstiger. Das ist auch ein klarer Wettbewerbsvorteil. Durch die neue EU-Regulierung MICA werden nun auch klare Spielregeln vorgegeben, was das Risiko für Banken und ihre Kunden senkt.
JPMorgan hat bereits seinen eigenen digitalen Coin entwickelt und über diesen bereits Milliarden abgewickelt. Im Bereich der Anleihen hat Goldman Sachs diese tokenisiert, sodass diese in Sekunden statt Tagen abgewickelt werden können. Um weiterhin im Wettbewerb bestehen zu können, stehen Banken unter Zugzwang. Entweder sie machen bei der Integration von Kryptowährungen mit oder sie verlieren den Anschluss an die neue digitale Finanzwelt. Doch schauen wir uns die einzelnen Banken nun genauer an.
Wie oben kurz angedeutet hat JPMorgan seinen eigenen digitale Coin entwickelt. Diese Bank war eine der ersten Großbanken, die eigenes digitales Geld entwickelte. Wie funktioniert der JPM Coin? Man kann ihn sich wie einen Dollar-Stablecoin vorstellen, der großen Firmenkunden ermöglicht, rund um die Uhr Geld zu transferieren. Der Vorteil: Es gibt keine Wartezeiten am Wochenende oder nachts.
Die Bank nutzt dafür ihre hauseigene Platform Onyx, die auf Quorum/Ethereum basiert. Durch diese Entwicklung konnte JPMorgan beweisen, dass Blockchain-Technologie nicht nur für Bitcoin-Fans interessant ist, sondern auch das klassische Firmenkundengeschäft neu aufstellen kann. Über diese digitale Infrastruktur werden bereits Milliarden bewegt.
Bei Goldman Sachs werden traditionelle Finanzprodukte wie Anleihen bereits auf einer Blockchain abgebildet. Der Fachbegriff hierfür ist die Tokenisierung. Mit der hauseigenen Plattform GS DAP™ (Digital Assets Plattform) kann eine komplette Anleiheemission in unter 60 Sekunden abgewickelt werden. Das dauerte früher oft Tage. Der Hauptbenefit: Es spart enorm Zeit und Kosten.
Diese Technologie ist seit 2025 auch für andere Banken zugänglich, so dass sie nicht nur für eigene Geschäfte genutzt wird. Dadurch zeigt Goldman Sachs, dass die Bank auf eine digitale Zukunft des Kapitalmarkts setzt. Es geht ihr nicht nur um den Handel mit Kryptowährungen, sondern ebenso um die grundlegende Modernisierung, wie Wertpapiere ausgegeben und gehandelt werden. Dadurch positioniert sich die Bank als Infrastruktur-Anbieter für die gesamte Finanzbranche.
BNP Paribas ist führend an der Integration regulierter digitaler Assets in Europa beteiligt. Besonders ausschlaggebend ist hierbei das Joint Venture AllUnity (mit DWS und Flow Traders). Dieses emittiert unter der MICA-Regulierung einen voll besicherten Euro-Stablecoin.
Des Weiteren nutzt BNP Paribas die Blockchain-Interoperabilität des Canton Networks und die zuvor bereits erwähnte Onyx-Plattform von JPMorgan. Dadurch können grenzüberschreitende Zahlungen und Tokenisierungen (z. B. von Staatsanleihen) in Echtzeit abgewickelt werden.
Im Kontrast zu isolierten Lösungen setzt die Bank auf industrielle Standards, um digitales Zentralbankgeld (vCBDC) und privates Bankengeld zu verknüpfen. Das Ziel? Eine effiziente, 24/7 verfügbare Finanzinfrastruktur, die höchste europäische Sicherheits- und Compliance-Vorgaben erfüllt.
Die Deutsche Bank hat einen eigenen Euro-Stablecoin entwickelt, der mit einer offiziellen E-Geld-Lizenz ausgestattet ist. Diese Lizenz ist wichtig, denn damit unterliegt das digitale Geld denselben strengen Regeln wie elektronisches Geld auf Prepaid-Karten oder digitalen Zahlungsdiensten. Jeder digitale Euro ist dadurch durch echtes Geld gedeckt, das die Bank vorhalten muss.
Der Euro-Stablecoin wurde von der Deutschen Bank aber nicht still und heimlich entwickelt, sondern über das Joint Venture AllUnity. Zu diesem Joint Venture gehören Galaxy und Flow Traders. Der Stablecoin wurde am 31. Juli 2025 gelauncht.
Ziel der größten Privatbank Deutschlands ist es, eine führende Rolle im europäischen Markt für digitale Zahlungen einzunehmen. Transaktionen können dadurch schneller laufen und auch außerhalb der normalen Geschäftszeiten abgewickelt werden. Die Deutsche Bank kombiniert damit traditionelle Bankensicherheit mit moderner Blockchain-Technologie.
Die DZ Bank hat bereits Ende 2023 die offizielle BaFin-Zulassung für ihre Krypto-Plattform mit dem weniger kreativen Namen „Kryptoverwahrplattform der DZ Bank” erhalten. Sie kann dadurch Millionen Kunden der Volksbanken Raiffeisenbanken ansprechen. Im Marketing der einzelnen lokalen Volksbanken ist der Name mit „mein Krypto” schon etwas kreativer. Der Rollout an die angeschlossenen Volksbanken und Raiffeisenbanken ist seit dem 2024/2025 in vollem Gange.
Was kann die Plattform? Privatkunden können über sie Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Cardano direkt handeln. Dadurch müssen sie nicht zu externen Börsen wechseln. Das ist besonders für die Volksbank-Zielgruppe interessant, die weniger abenteuerlustig ist und stärker ihrer Hausbank vertraut.
Die DZ Bank konnte durch diese Anpassung an die digitale Finanzwelt zeigen, dass auch Genossenschaftsbanken mit ihrem traditionellen Ansatz den Sprung ins digitale Zeitalter schaffen können. Hieran lässt sich aber auch erkennen, unter welchem Zugzwang selbst eher traditionelle Banken durch die rasante Entwicklung stehen. Kryptowährungen konnten nicht länger ignoriert oder verteufelt werden und so mussten die Banken ihren Kunden eine sichere und regulierte Möglichkeit anbieten, in digitale Währungen zu investieren.
Für den Anschluss von Banken an Kryptowährungen ist die EU-Verordnung MICA relevant. Diese hat das Spiel verändert und die bis dato existierende Rechtsunsicherheit deutlich verringert. Davor wussten Banken nie wirklich genau, was erlaubt ist und welche Strafen drohen könnten.
Durch die MiCA Verordnung konnten erstmals einheitliche Regeln für den gesamten europäischen Markt geschaffen werden. Was für die einen ein Vorteil ist, ist für die anderen ein Nachteil. Das gilt vor allem für die eher freiheitlich orientierten Krypto-Anbieter. Diese müssen nämlich jetzt Lizenzen beantragen, Verbraucherschutzstandards einhalten und sich regelmäßigen Prüfungen unterziehen.
Das alles klingt nach Bürokratie und ist es auch. Doch für Banken ist es ein Vorteil. Diese können nun ohne Angst vor rechtlichen Problemen Krypto-Dienstleistungen anbieten. Zudem senken die klaren Spielregeln das Risiko und geben sowohl Banken als auch Kunden Sicherheit.
Aus dem obigen Grund bleiben für aktive Trader spezialisierte Plattformen nach wie vor kosteneffizienter. Ist man aber ein bisschen konservativer und traditioneller angehaucht und legt Wert auf die Integration in das bestehende Depot, persönliche Ansprechpartner und höchste regulatorische Sicherheit unter MICA, macht man sich nicht so viel aus den Aufschlägen. Der Hauptbenefit bei Banken, die Kryptowährungen integriert haben, ist 2026 oft der „Alles-aus-einer-Hand“-Ansatz. Letzterer kann den administrativen Aufwand für die Steuererklärung deutlich reduzieren.
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Zwar fallen Kryptowährungen nicht unter die gesetzliche Einlagensicherung, die Barguthaben bis 100.000 Euro schützt. Jedoch genießen Anleger dennoch eine hohe Sicherheit. Wie ist das möglich? So gelten nach deutschem Recht (§ 67 KWG) und der europäischen MiCA-Verordnung verwahrte Krypto-Assets im Falle einer Bankinsolvenz als aussonderungsfähig. Sie gehören also rechtlich dem Kunden und fallen nicht in die Insolvenzmasse.
Die Assets werden von den Banken in hochsicheren Wallets verwahrt, die ebenso strengen regulatorischen Auflagen unterliegen. Das Emittentenrisiko der Banken ist minimiert, da sie verpflichtet sind, Kundenvermögen strikt getrennt von der eigenen Bilanz zu führen. Als Anleger sollten Sie aber dennoch auf die Details der Verwahrung achten (z. B. Cold Storage vs. Hot Wallet). Der Grund: Die Sicherheit vor Hackerangriffen hängt von der technischen Umsetzung der jeweiligen Bank ab.
Es war zu erwarten, dass traditionelle Banken oft (noch) höhere Gebühren als spezialisierte Krypto-Börsen verlangen. Der Abstand wird aber durch den Markteintritt großer Broker immer kleiner. Der Kostenunterschied ist aber nach wie vor deutlich. So berechnen Krypto-Börsen wie Kraken oder Bitvavo Gebühren von etwa 0,1 bis 0,4 Prozent und klassische Filialbanken meist zwischen 1 und 2,5 Prozent pro Transaktion. Oben drauf kommen bei Banken oft noch der Spread und teilweise jährliche Verwahrgebühren. Diese können durch integrierte Steuer-Services (wie das automatisierte Reporting nach DAC8) ausgeglichen werden.
Wie man sich bereits vorstellen kann, variieren die Angebote stark zwischen den Geldinstituten. Manche Banken fokussieren sich lediglich auf die reine Verwahrung. Die Vorreiter (z.B. die DZ Bank oder die Deutsche Ban) jedoch ermöglichen mittlerweile den direkten Kauf und Verkauf von Blue-Chip-Assets wie Bitcoin und Ethereum über das gewohnte Online-Banking. Gestützt durch die MICA-Regulierung trauen sich auch immer mehr Institute, den Handel von Tokenized Assets (digitale Wertpapiere) anzubieten.
Auch gewinnen Staking-Dienste an Bedeutung. Diese werden aber wegen komplexer steuerlicher und rechtlicher Anforderungen oft über spezialisierte Partner abgewickelt. Der Gegensatz zu früher ist groß. Heute ist nämlich der direkte Coin-Handel oft genauso verfügbar wie Krypto-Zertifikate (ETPs). Hierbei gibt es aber Unterschiede in der Integration. So sind nur bei einer Vollintegration Krypto-Bestände steuerlich automatisiert im Jahresdepotauszug aufgeführt. Als möglicher Kunde sollten Sie daher genau hinschauen, ob die Bank eine „Full-Service“-Lösung inklusive Steuerreporting oder lediglich einen Zugang zu einem externen Marktplatz anbietet.