Programme zur Staatsbürgerschaft durch Investition (Citizenship by Investment, CBI) ermöglichen es vermögenden Personen, eine neue Staatsangehörigkeit zu erwerben, oft mit minimalen Aufenthalts- oder Sprachvoraussetzungen. Anders gesagt: Diese „Zweitpässe“ werden von kleineren Staaten im Austausch gegen Kapital oder Investitionen vergeben.
Dieser schnelle Weg zum Pass kann zwar die Wirtschaft eines Landes stärken, zieht jedoch auch Kriminelle und korrupte Akteure an. Internationale Aufsichtsbehörden haben wiederholt gewarnt, dass CBI-Programme, oft auch als „Golden Passport“ bezeichnet, missbraucht werden, um Geld zu waschen oder Identitäten zu verschleiern. Ein aktueller FATF/OECD-Bericht stellt fest, dass der Verkauf von Staatsbürgerschaften zwar wirtschaftliches Wachstum fördern kann, gleichzeitig aber ein milliardenschweres Einfallstor für Geldwäsche, Umgehung von Sanktionen und Verschleierung illegaler Vermögenswerte darstellt.
CBI-Pässe gelten bei Banken und Aufsichtsbehörden als Hochrisiko-Faktor. Häufig stammen sie aus Ländern mit schwächeren Geldwäschevorschriften oder politischem Druck, Investoren möglichst unkompliziert zu akzeptieren. So hat die britische Regierung öffentlich erklärt, dass die CBI-Programme von Dominica und Vanuatu „klar missbraucht“ wurden und Staatsbürgerschaften an Personen vergeben wurden, die ein Risiko für das Vereinigte Königreich darstellen.
In der Praxis bedeutet das: Taucht jemand bei einer Bank mit einem Zweitpass aus St. Kitts oder Malta auf, werden die Compliance-Abteilungen besonders aufmerksam. Solche Kunden werden häufig als risikobehaftet eingestuft, es werden umfangreiche Nachweise verlangt und eine vertiefte Prüfung durchgeführt.
Wie CBI-Programme funktionieren und welche Länder betroffen sind
Im Rahmen eines CBI-Programms investiert eine Person in die Wirtschaft eines Landes, etwa durch eine staatliche Spende, den Erwerb von Immobilien, Anleihen oder andere zugelassene Investitionsformen, und erhält im Gegenzug die Staatsbürgerschaft.
Folgende Länder stehen derzeit unter erhöhter Beobachtung im Zusammenhang mit Zweitstaatsbürgerschaften:
Antigua & Barbuda, Dominica, Grenada, Saint Kitts & Nevis, Saint Lucia, Vanuatu und die Türkei.
Mehrere Staaten haben ihre Programme inzwischen eingestellt, darunter Malta, Zypern, Bulgarien und Montenegro.
Gleichzeitig haben einige Länder neue Programme eingeführt oder planen diese: Argentinien (ab 2026, ca. 500.000 USD für einen Pass mit Schengen-Zugang), Botswana (Anfang 2026, etwa 75.000 USD Spende), El Salvador (seit 2023, 1 Mio. USD in Kryptowährung für Zugang zu über 130 visafreien Ländern) sowie São Tomé & Príncipe (seit August 2025, ca. 90.000 USD Spende).
Diese Länder stehen größtenteils außerhalb des direkten EU-Einflusses, könnten jedoch ebenfalls verstärkt unter regulatorische Beobachtung geraten.
Geldwäsche, Due Diligence und Länderrisiko
Zweitpässe aus CBI-Staaten gelten im Bereich der Geldwäscheprävention als Warnsignal. Geldwäsche bedeutet vereinfacht gesagt, dass illegal erwirtschaftete Gelder durch komplexe Transaktionen so verschoben werden, dass sie legal erscheinen.
Um dem entgegenzuwirken, führen Banken sogenannte Know Your Customer (KYC)-Prüfungen sowie Enhanced Due Diligence (EDD) durch. Legt ein Kunde einen CBI-Pass vor, werden regelmäßig zusätzliche Fragen gestellt:
- Mehrere Identitätsnachweise: Alle Pässe, Ausweise sowie Aufenthaltsdokumente werden geprüft. Unstimmigkeiten, etwa ein karibischer Pass bei gleichzeitigem Steuerwohnsitz in Europa, werfen Fragen auf.
- Herkunft des Vermögens: Der Kunde muss nachvollziehbar darlegen, wie das Vermögen aufgebaut wurde. Banken verlangen eine klare Darstellung der Vermögensquelle.
- Herkunft der Mittel: Für größere Einzahlungen sind Kontoauszüge oder Transaktionsnachweise erforderlich, die die Geldquelle belegen.
- Sanktions- und Medienprüfungen: Abgleich mit Sanktionslisten, PEP-Listen (politisch exponierte Personen) und internationalen Medien-Datenbanken.
- Steuerliche Plausibilität: Die steuerlichen Angaben müssen mit Staatsangehörigkeit und Wohnsitz übereinstimmen. Wer offiziell Bürger eines Landes ist, tatsächlich aber in einem anderen Land lebt und dort Steuern zahlt, muss dies erklären können.
Auch nach Kontoeröffnung erfolgt eine laufende Überwachung. Ungewöhnliche Transaktionen oder neue negative Informationen führen zu erneuter Prüfung.
Die Kernaussage ist klar: Mit einem Zweitpass ist die Aufmerksamkeit der Bank erhöht, und der Kunde trägt die Beweislast, dass Vermögen und Hintergrund einwandfrei sind.
Fazit
Zweitpässe durch Investitionsprogramme bieten Mobilität und Flexibilität, bringen jedoch auch rechtliche und finanzielle Risiken mit sich. Banken und Aufsichtsbehörden beobachten Inhaber solcher Pässe besonders aufmerksam im Hinblick auf Geldwäsche oder Identitätsverschleierung.
In einfachen Worten: Wer einen „Golden Passport“ besitzt, muss damit rechnen, dass Banken fragen, wie die Staatsbürgerschaft erworben wurde und woher das Vermögen stammt. Ohne saubere Dokumentation kann dies schnell problematisch werden.
Seit 2026 ist eine deutliche Verschärfung der Regulierung zu beobachten. EU-Verbote, neue Kontrollmechanismen und internationale Zusammenarbeit zielen darauf ab, Missbrauch zu verhindern. Transparenz ist daher entscheidend. Vollständige Unterlagen und konsistente Angaben sind unerlässlich, da CBI-Pässe weiterhin mit erhöhter regulatorischer Aufmerksamkeit verbunden sind.
Bevor Sie eine zweite Staatsbürgerschaft beantragen, buchen Sie eine kostenlose Beratung, um zu verstehen, welche Auswirkungen dies auf Ihre Bankbeziehungen und Ihre globale Compliance-Position haben kann.