Europa ist seit Langem stark darin, Startups hervorzubringen – die Herausforderung lag jedoch darin, sie in späteren Phasen zu unterstützen, wenn Unternehmen erhebliches Kapital benötigen, um global zu expandieren. Mit dem Start des 5-Milliarden-Euro-Scaleup-Europe-Fonds versucht die Europäische Kommission nun, diese Lücke direkt zu schließen.
Diese Initiative ist nicht einfach nur ein weiteres Förderprogramm. Sie ist ein strategischer Schritt, um eine der größten strukturellen Schwächen Europas anzugehen: den Mangel an Spätphasen-Kapital für stark wachsende Unternehmen.
In den letzten zehn Jahren hat Europa eine wachsende Zahl innovativer Startups hervorgebracht, insbesondere in Deep-Tech-Bereichen wie KI, Biotech und sauberer Energie. Viele dieser Unternehmen stoßen jedoch in der Scale-up-Phase auf ein entscheidendes Problem.
In dieser Phase benötigen sie häufig Finanzierungsrunden von 50 Millionen Euro oder mehr. In Europa ist Kapital in dieser Größenordnung weiterhin begrenzt. In der Folge verlagern viele erfolgreiche Unternehmen ihren Sitz in die USA oder in andere Märkte, in denen große Finanzierungsrunden leichter zu sichern sind.
Laut Daten der Europäischen Kommission ist in den letzten 15 Jahren fast ein Drittel der europäischen Unicorns ins Ausland abgewandert.
Das ist nicht nur ein Kapitalproblem. Es bedeutet auch den Verlust von Talenten, geistigem Eigentum und langfristiger wirtschaftlicher Wertschöpfung für Europa.
Der neue Fonds ist darauf ausgelegt, diese Lücke gezielt zu schließen.
Gesamtzielvolumen: 5 Milliarden Euro
EU-Beitrag: 1 Milliarde Euro
Übriges Kapital: private Investoren
Erstes Closing erwartet: 2,5 bis 3 Milliarden Euro
Erste Investments: erwartet bis Sommer 2026
Die Europäische Investitionsbank und mehrere private Investoren sind bereits beteiligt. Besonders hervorzuheben: Novo Holdings hat über einen Zeitraum von 10 Jahren 500 Millionen Euro zugesagt.
Zudem gibt es die langfristige Ambition, den Fonds auf 20 Milliarden Euro auszubauen, falls die erste Phase erfolgreich verläuft.
Wichtig ist: Das ist nicht als Subvention strukturiert. Der Fonds soll auf kommerzieller Basis arbeiten, mit einem privaten Manager, der für Anlageentscheidungen und Portfoliomanagement verantwortlich ist.
Um die Bedeutung dieses Fonds zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die größeren Zahlen.
Im Jahr 2024 lag das Late-Stage-Venture-Capital-Investment in der Europäischen Union bei rund 21 Milliarden US-Dollar. In den Vereinigten Staaten erreichte es etwa 133 Milliarden US-Dollar.
Diese Lücke spiegelt mehr wider als nur die Verfügbarkeit von Finanzierung. Sie zeigt strukturelle Unterschiede:
US-Märkte verfügen über deutlich größere Kapitalpools
Institutionelle Investoren spielen eine wesentlich größere Rolle
Es gibt eine höhere Bereitschaft, langfristige Risiken einzugehen
In Europa allokieren Pensionsfonds und Versicherungen weiterhin nur einen kleinen Teil ihrer Portfolios in Venture Capital. Regulatorische Beschränkungen, konservative Anlagestrategien und fragmentierte Märkte tragen hierzu bei.
Der Scaleup-Europe-Fonds verfolgt zwei Hauptziele.
Erstens soll er wachstumsstarke Unternehmen in Europa halten, indem er das Kapital bereitstellt, das sie benötigen, um vor Ort zu skalieren.
Zweitens – und noch wichtiger – soll er das Investment-Ökosystem neu ausrichten. Die Kommission hofft, dass die öffentliche Beteiligung mehr privates Kapital anzieht, insbesondere von institutionellen Investoren, die in europäischen Venture-Märkten bislang historisch unterrepräsentiert sind.
Vereinfacht gesagt: Es geht nicht nur darum, in Unternehmen zu investieren, sondern darum, zu verändern, wie Kapital in Europa fließt.
Auch wenn die Initiative von Marktteilnehmern begrüßt wurde, gibt es zugleich spürbare Skepsis.
Eine der größten Sorgen ist die Umsetzungsgeschwindigkeit. Europa gilt oft als langsam, wenn es darum geht, Kapital zu deployen und Investmententscheidungen zu treffen. Für schnell wachsende Unternehmen ist Timing entscheidend.
Gleichzeitig bleiben institutionelle Investoren wie Pensionsfonds und Versicherungen vergleichsweise vorsichtig und investieren nur einen kleinen Teil ihres Kapitals in Venture-Anlagen.
Hinzu kommt eine strukturelle Komplexität innerhalb Europas. Unterschiedliche Steuersysteme, Rechtsrahmen und regulatorische Anforderungen zwischen Mitgliedstaaten erschweren grenzüberschreitendes Skalieren stärker als in einheitlicheren Märkten.
Außerdem gibt es in Europa weiterhin weniger große Exit-Möglichkeiten, darunter IPOs und bedeutende Übernahmen. Das beeinflusst das Investorenverhalten direkt, denn die Möglichkeit, Renditen zu realisieren, spielt eine zentrale Rolle bei der Kapitalallokation in späteren Phasen.
Zusammen prägen diese Faktoren weiterhin, wie Venture Capital innerhalb Europas fließt – und sie erklären, warum die Finanzierungslücke trotz wachsendem Interesse an der Branche bestehen bleibt.
Über seine finanzielle Größe hinaus sendet der Scaleup-Europe-Fonds ein starkes politisches und wirtschaftliches Signal.
Er spiegelt die wachsende Erkenntnis wider, dass Europa in Schlüsselbereichen wie künstlicher Intelligenz, Verteidigungstechnologie und fortschrittlicher Fertigung wettbewerbsfähiger werden muss. Gleichzeitig passt er zu umfassenderen EU-Politiken, die auf eine Stärkung technologischer Souveränität und eine geringere Abhängigkeit von externen Märkten abzielen.
Wenn er erfolgreich ist, könnte der Fonds als Katalysator für ein reiferes und sich selbst tragendes europäisches Investment-Ökosystem dienen.
Fazit
Der 5-Milliarden-Euro-Scaleup-Europe-Fonds ist ein wichtiger Schritt, um Europas Lücke beim Wachstumskapital zu schließen. Sein Erfolg wird jedoch von mehr abhängen als nur von der eingesammelten Geldsumme.
Die eigentliche Frage ist, ob Europa seine Investmentkultur anpassen, langfristiges institutionelles Kapital anziehen und die Geschwindigkeit sowie Effizienz seiner Märkte verbessern kann.
Wenn diese strukturellen Herausforderungen angegangen werden, könnte der Fonds den Beginn einer neuen Phase für europäische Innovation markieren. Wenn nicht, besteht das Risiko, dass er zu einer weiteren gut gemeinten Initiative mit begrenzter langfristiger Wirkung wird.
Wenn Sie planen, ein Unternehmen in Europa zu skalieren oder überlegen, wo Sie Ihre nächste Finanzierungsrunde strukturieren, ist es entscheidend zu verstehen, wie Kapital über Jurisdiktionen hinweg fließt.
Unser Team arbeitet mit Gründern, Investoren und internationalen Gruppen zusammen, um effiziente Strukturen zu entwickeln, die sowohl Wachstum als auch Compliance-Anforderungen gerecht werden. Melden Sie sich für eine kostenlose Erstberatung, um Ihre Optionen zu besprechen.